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Donaukreuzfahrt - ein Reisetagebuch

Aktualisiert: 21. Feb 2019

Gereist: Dezember 2018 Veröffentlicht: Februar 2019

Vorab möchte ich Dir mitteilen, dass eine Donau-Kreuzfahrt ein tolles Erlebnis ist und niemandem langweilig wird. Wer keine 24-Stunden Animation benötigt, ist auf einer Flusskreuzfahrt bestens aufgehoben.


Gebucht hatten wir unsere sechstägige Reise auf der MS Prinzessin Isabella über einen großen deutschen Discounter. Die günstigsten Kabinen sind i.d.R. ab circa 500€ verfügbar. All Inclusive. Typisch deutsch eben. Trinkgeld kann am Ende der Reise in einem verschlossenen Umschlag abgegeben werden, so hat die komplette Crew etwas davon. Wir gönnten uns die Suite auf dem obersten Deck für 669€ p.P.. Die normalen Kabinen mit Doppelbett, jedoch auch diese mit zwei einzeln stehenden Betten, sind zu empfehlen. Die Finger lassen solltest Du von den günstigsten Kabinen. Diese befinden sich nahe dem Motor, welcher nicht nur bei jedem An- und Ablegen, sondern auch bei jeder Schleusenpassierung zu hören ist.


Inkludiert im Reisepreis sind Frühstück, Mittag- und Abendessen in Menüform, Kaffee und Kuchen, ein Mitternachtssnack, sowie sämtliche alkoholfreien und alkoholhaltigen üblichen Getränke. An der Bar können diese von 8.00 Uhr bis 24.00 Uhr geordert werden. Die Karten von Bar, Minibar und Wäscheservice sind auf der Phoenix-Homepage einsehbar. Ein Marken-Bier in der Minibar kostet bspw. 2,20€ - ebenso viel wie ein Orangen- oder Apfelsaft. Meiner Meinung nach sehr transparent. Nicht umsonst hat das Schiff, knapp 125m lange und 11m breit, laut Holidaycheck eine Weiterempfehlungsrate von 97%.


22. Dezember Nach sage und schreibe knapp 700km und 8 Stunden regenreicher Autofahrt mit orkanartigen Windböen, sind wir endlich um Punkt 14.00 Uhr in Passau angekommen. Zwischenhalte erfolgten in Frankenthal, zum Abholen meiner Mutter und Ihres Lebensgefährten, auf diversen Rastplätzen und bei Burger King zum Café-Stop.

Angesteuert wurde der Parkplatz. Unser erstes Ziel war das Unternehmen Globus, wo wir unser Fahrzeug abstellten. Mit 67€ pro Woche nicht günstig, jedoch empfehlenswert. Das Fahrzeug kann eigenständig geparkt werden. Dann ging alles ganz schnell. Bezahlen, Kofferanhänger befestigen, zum Linienbus hechten. Dieser sollte uns zum Anleger der MS Prinzessin Isabella bringen.

Bis zur Ankunft war ich noch einigen unglücklichen Situationen ausgesetzt.

Mein Freund, äußerst gestresst von dem arbeitswütigen Personal des Parkunternehmens, sowie dem Blablabla von Mama, Kurt und mir, wartete samt angesteckter Kippe, Rucksack und grimmiger Miene vor dem Bürogebäude. Auf Grund seiner übelsten Gereiztheit, hatte ich das Leid, erst einmal den Fahrzeugsitz auf meine notwendige Sitzhöhe anzupassen, und den Wagen anschließend genau auf Parkplatz Nummer 369 in der 3. Etage in der Messestraße 6 abzustellen. Soweit, so gut.

Ich räumte vergessene Utensilien in meinen Rucksack, mein Mobiltelefon und Normans Mütze. Spätestens in Budapest bei muckeligen Minusgraden im einstelligen Bereich, würde er diese sicher vermissen.

Nun schnell abschließen, Ausgang suchen, versuchen, die nassen Treppenstufen zu meistern. Endlich, Etage 1. Zigarette anzünden, Tür öffnen. Den Linienbus sah ich schon von weitem. Die Busfahrerin gab das Go zum Einstieg. Mama und Kurt übergaben mir mein Handgepäck und gingen schnurstracks darauf zu - wie die anderen Kunden.

Doch wo war Norman? Nicht schon wieder. Egal was passiert, Norman hat äußerlich die Ruhe weg. Langsam, langsam. Dies dient sicher dem Verbergen der Unruhe, welche im Inneren brodelt wie in einem Vulkan. Genau dies war wieder so ein Moment. Ich schreite zu dem 50m entfernten Bus und rief, man möge bitte warten. Zum Glück schritt Mama ein und hielt die Busfahrerin zur Ruhe an. Ansonsten hätten wir den nächsten Transfer, ganze 45 Minuten später, abpassen müssen. „Hoffentlich sind diese Gäste nicht alle auf unserem Schiff“, dachte ich beim Anblick der ungesprächigen und ernst dreinschauenden Mitfahrer. Vor Erreichen der MS Prinzessin Isabella stieg unsere Vorfreude. Wir waren nur noch zu viert im Bus und hatten bereits drei Halte hinter uns gelassen. Einer davon galt MS Prinzessin Katharina, welche uns noch auf unserem Weg begleiten sollte, wie sich später herausstellte.

Da, endlich. Ein großes Schild mit „Einschiffungszeit: 14.30 Uhr“ begrüßte uns. Perfekt, die Entspannung konnte also endlich beginnen. Als wir die seitlichen Treppenstufen nach unten zur prunkvollen Rezeption schritten, verflog meine Freude, so schnell sie gekommen war. „Warten hier ernsthaft über 20 Menschen auf den Check-In?“ dachte ich.

Ein großer dunkelhaariger Mann lächelte uns an und hieß uns im Musiksalon willkommen, welcher sich direkt hinter der Rezeption, im vorderen Teil des Schiffes, befindet. Wir beschlossen, unter den Tönen von Elvis Presley etwas zu trinken und später einzuchecken, wenn die Pensionäre sich verflüchtigt hatten.

Kurzer Check der Bar-Karte. Tatsächlich! „All Inclusive-Palet – Täglich von 09:00 – 24:00 Bier vom Fass, Alkoholfreies Bier, Hausweine im Offenausschank, Limonade wie Cola, Fanta, Sprite im Offenausschank, Fruchtsäfte, Mineralwasser, Kaffee und Tee“, prangerte von der Karte.

Mama war so nett unsere Personalausweise einzusammeln und die Zimmerschlüssel für die Kabinen 402 und 304 zu organisieren. Wobei Kabine bei unserer Suite 402 die falsche Bezeichnung ist.

Die Schubert-Suite im obersten Stockwerk, zu erreichen über eine der beiden Wendeltreppen, besticht durch bodenhohe Fenster mit französischem Balkon, eine gemütliche Cocktailsessel mit Beistelltisch und Flachbildfernseher, Doppelbett, Badewanne, Kaffeemaschine und großzügiger Minibar.

Ausblick aus der Suite

Kabine 304 liegt im ersten unteren Deck der Isabella und ist ausgestattet mit zwei stoffbezogenen Sitzbänken mit mittigem Holztisch, kleinem Fernseher und eine Dusche im Bad. In beiden Kabinen befinden sich ausreichend Staufächer und edle Gardinen. Am Abend werden die Bänke der Kabine 304, mittig auf der Ebene gelegen, in zwei Einzelbetten verwandelt.

Am Nachmittag erfolgte die offizielle Begrüßung im Musiksalon. Währendessen legte die royale MS Prinzessin Isabella ab. Bei Kaffee, Kuchen, Plätzchen und vielfältige Baguettes lauschten Mama und ich den Ausflugsempfehlungen und der Unterweisung zum Anlegen der Rettungswesten.

Der Hotelmanager wies uns in komischem Ton darauf hin, dass bitte nur bereitgestellte Papier in das WC geworfen werden sollte. Sei eine Toilette verstopft, seien alle verstopft. Dies würde sicher zu Problemen bei dem einzigen externen WC auf dem


Schiff führen. Die Männer gesellten sich zu uns. Plötzlich fuhr die Prinzessin in die erste Schleuse ein. Ihr Name lautet Jochenstein, befindlich an der Grenze zwischen Deutschland und Österreich. Es ist die erste von sage und schreibe 13 Schleusen auf der Reise.

Norman und ich sprangen unhöflicherweise auf, ein Manager war gerade noch am Sprechen. Uns egal - wir wollten die Schleuseneinfahrt nicht verpassen. Angenehm warme Luft umhüllte uns in der Dunkelheit, lediglich erleuchtet von den Lichtern der Katharina und der Schleusenanlage. Hatte ich erwähnt, dass es bereits seit unserem Eintreffen in Passau nicht mehr regnete?

Nach einer kurzen Verschnaufpause trafen wir uns beim Abendessen. Tisch 22, befindlich im mittleren hinteren Bereich des Restaurants, sollte unser fester Essplatz für die nächsten Tage sein. Das 4-Gänge-Menü enthielt mehrere frei wählbare Komponenten und überzeugte uns alle. Ein Minuspunkt ist die Größe der Portionen, welche auf das Publikum angepasst schien, und für Norman definitiv zu wenig war. Ich fand großes Interesse an der aufgeschlagenen Butter samt Baguette, womit ich schon vor dem ersten Gang meinen Hunger fast vollständig befriedigte.

Den Abend rundeten wir genau dort ab, wo wir zuerst saßen. Im Musiksalon.

Der weiße Hauswein war natürlich nicht mit dem Pfälzer zu vergleichen. Dem hingegen war das österreichische Bier der Marken Steiger durchaus pur trinkbar. Irgendwann brachen wir ab und bewegten uns ein Deck aufwärts. Da wir immer noch fuhren, und wir von unserem Luxus-Zimmer einen grandiose Aussicht hatten, setzen wir uns noch lange in unsere beigen Sesselchen, welche wir direkt vor dem Fenster platzieren – um auch ja keinen beleuchteten Kirchturm oder Weihnachtsturm der vorbeiziehenden Dörfer zu verpassen.


23. Dezember

Den Tag begannen wir ganz gemach um 9.00 Uhr.

Beim Frühstücksbuffet wurde so ziemlich alles aufgetischt, was man sich wünschen kann. Außer meiner Leibspeise: Spiegeleier. So entschied ich mich für Müsli und diverse Körner mit Joghurt, ein Roggenbrötchen mit Cheddar und ein Brot mit selbigem Käse. Abgerundet wurde das erste Mahl des Tages mit frischer Cuantaloupe-Melone und Ananas. Bei den angebotenen Nürnberger-Bratwürsteln konnte Norman nicht widerstehen.

Vollgefressen, wie wir waren, stiefelten wir träge den Gang zurück und erreichten die zweitletzte Kabine auf der linken Seite. Ein Tannenzweig samt verstaubter goldener Christbaumkugel schmückte die hölzerne Tür.

Der Plan war ein wenig zu Ruhen, um dann ein Ründchen Sport zu treiben. Da es (im Gegensatz zu den Aussagen der Phoenix-Zentrale in Bonn) keinen Fitnessraum an Board gab, sondern lediglich ein paar Outdoor-Crosser, musste die Zeit bis zum Mittagessen sinnvoll überbrückt werden.

Nun ja, wir sind ja flexibel. Kurz ausgeruht und weiter gings in den Musiksalon. 10.39 Uhr. Elvis ist wieder am Start. Um diese historische Uhrzeit bestellten Norman und ich das erste Steiger-Bier des Tages - alkoholfrei. Hopfen und Malz, Gott erhalt’s! All-Inklusive ist eben nicht nur etwas für Langweilige-sich-den-ganzen-Tag-am-Pool-wälzende-Pauschaltouristen, sondern auch für aktive Donaukreuzfahrtfahrer wie uns.

Ich bin gespannt, wann wir unser Flussfahrer-Zertifikat erhalten werden. Immerhin haben wir nach der Kreuzfahrt knapp 1.000 km auf der Donau zurückgelegt. Gerechnet habe ich flussabwärts zuzüglich Rückweg. Auf jeden Fall haben wir uns gemach mit unseren Getränken auf eine Ledercouch im Salon gepflanzt.

Die Auswahl beim Mittagsmenü klang vielversprechend, das ein oder andere Gericht entpuppte sich jedoch leider als Reinfall. Ich hatte absolut keinen Appetit, das Frühstück war ja gerade einmal zwei Stunden her. Die Spaghetti mit der vegetarischen Bolognese konnte ich mir aber nicht entgehen lassen.

Anschließend passierten wir die letzte Schleuse vor Wien und legten im nordwestlichen Stadtteil Nussbaum an. Gut vorbereitet, wie ich eben immer vor Reisen bin, hatte ich mir diverse Apps und Karten heruntergeladen, um jegliche Herausforderungen, bedingt durch örtliche Gegebenheiten, meistern zu können.

Wir stapften los und erreichten nach knapp 1km die Straßenbahnhaltestelle. In einigen Minuten sollte die Bahn zum Rathausplatz eintreffen. Uns irritierte, dass sich immer mehr Isabella-Touristen zu uns gesellten. Sollten die nicht alle auf den angebotenen Ausflügen sein?! „Wissen Sie, wohin die Bahn fährt? Ist Ihnen bekannt, wo man Fahrkarten lösen kann? Wann kommt die nächste Bahn?“ waren nur einige Fragen, mit denen wir attackiert wurden.

Achtung, für die Tickets, welche in der Bahn zu lösen sind, wird Bargeld benötigt. Eine einfache Fahrt kostet etwas unter 3€. Beim Aussteigen erstrahlten illuminierte Bäume, ein Riesenrad und einen Baum voller roter Herzen vor unseren Augen.

Das Bild erinnerte mich stark an den Alter-Markt-Weihnachtsmarkt in Köln. Mit den Unterschieden, dass in Köln kein historisches XXXL-Rathaus mit Innenhöfen aus dem 19. Jahrhundert im Hintergrund zu sehen ist, sondern der Dom. Zudem sind die Gassen in Köln schmaler, die Stände auf den Weihnachtsmärkten liebevoller gestaltet und die Preise günstiger. Nichtsdestotrotz war der bekannteste Weihnachtsmarkt Wiens wunderschön anzusehen.

Der von Kurt spendierte Glühwein in Herzformtassen war definitiv nicht mit dem Fusel in Köln vergleichbar. Wir flanierten den Markt entlang.

Ich fotografierte Mama auf Stufen, samt ellenlangem roten Teppich, in einem mittigen Teil des Wiener Rathauses. Das Gebäude ist ein wahrer Prachtbau und sollte definitiv von jedem einmal besucht werden. Zurück auf unserer Isabella, zogen wir uns zurück und entspannten auf der Kabine. Kaffee und Kuchen hatten wir nämlich bereits verpasst.

Zwischen Heimkunft und Abendessen erfolgten ein kurzer Stopp im Musiksalon, einer auf Deck für die Zigarette-vor-dem-Essen, und eiliges Duschen.

Das heutige Menü war lecker. Wir hatten keinen großen Gesprächsbedarf mehr, sodass jeder primär mit seinem Abendessen beschäftigt war. Abgerundet wurde der Abend im Musiksalon, mit Schreiberei und angenehmen Gesprächen.

Pünktlich um 22:22 Uhr tanzten sieben 60 bis 80jährige (Früh)renter auf der mit Parkett ausgelegen Tanzfläche zu Wolfgang Petris „Hölle, Hölle, Hölle“. Die Bewegungen waren äußerst vielfältig und kreativ. Ob die Bewegungen den Sportarten tanzen oder rhythmische Sportgymnastik zuzuordnen waren, kann ich als Laie leider nicht beurteilen.

Müde verschlug es uns noch kurz an Deck, um den Auslauf aus Wien mitzuerleben.


24. Dezember

Seltsamerweise gab es heute weder Brot noch frisches Obst. Oder waren die Produkte vielleicht schon leer? Egal, der Hunger trieb mir zwei kleine Brötchen mit Rührei rein. Yummy yummy. Danach gesellten wir uns mal wieder in den Musiksalon und warteten, bis der Regenschauer vorbeizog.

Da es Mama bedauerlicherweise nicht so gut ging, beschloss sie, heute auf dem Schiff zu bleiben und uns nicht auf unseren eigens organisierten Ausflug nach Bratislava zu begleiten.

Mitten in der Stadt lag unsere Isabella. So hatten wir nur einen 10minütigen Fußweg in die Innenstadt.

Auf Grund der Feiertage waren bedauerlicherweise so gut wie alle Geschäfte geschlossen, ebenso der Weihnachtsmarkt.

Die Innenstadt war mit schmucken Häusern gesäumt, alles wird per Kamera überwacht. Souvenirläden und Bars reihen sich in Bratislava abwechselnd aneinander.

Der Spaziergang tat uns gut. In einem Hinterhof fanden wir eine kleine Bar, geführt von einer Slowakin. Uns verschlug es beim Betreten fast der Atem.

Deutscher Schlager donnerte uns entgegen. Die Lieder hatten wir noch nie im Leben gehört. Rote Lederchouchen, bunte Ledersessel, kleine Teppiche und eine Bar mit weißen, schwarzen und roten Hochglanzfliesen schmückten die mit Kitsch dekorierte Bar. Die groteske menschenleere Kulisse wurde von Diskolichtern und diversen Lichterketten illuminiert.

Wir fanden uns im Bühnenbild sehr gut wieder. Es stellte sich heraus, dass Becherovka Normans neuer Lieblingsschnaps ist. Verfeinert mit einer Kräuternote und einer Prise Zimt. Der Flaschenpreis für 12€ war mehr als gerechtfertigt, so nahmen wir wir bei der alten Slowakin direkt eine Flasche samt Steuermarke mit.

Wieder an Board der Isabelle, quatschen wir mit Hinz & Kunz im Musiksalon.

Norman vertiefte sich in ein Gespräch mit einer Dame aus Krefeld. Die Gesprächsthemen drehten sich um Heilpraktiker, die Auswirkungen von Aluminium auf den Körper, unsere ausbeutende Wirtschaftsstruktur, die Bundeswehr und vieles mehr.

Der Ehemann der Dame blieb starr seinem Platz treu, obwohl seine Gattin sich zu uns in die Vierersitzgruppe setzte. Mit seinem Buch in der Hand auf die Donau blickend, hörte er halbherzig zu. Er verzog keine Miene, so wusste ich seine Emotionen nicht zu deuten.



Burg Bratislava

25. Dezember

Gegen 12 Uhr erreichten wir Budapest. Die Hauptstadt Ungarns hat viel zu bieten.

Der Burgberg mit Schloss, die imposanten Brücken samt Statuen, sowie Martkhalle, Parlament und Heldenplatz, sind nur einige Sehenswürdigkeiten.

Die Einfahrt nach Budapest war imposant, trotz kalten Temperaturen versammelten sich fast alle Gäste an Deck.

Alle Weihnachtsmärkte hatten geöffnet, sodass wir ganz unbeholfen durch die Stadt schlendern und (für Budapest teuren) Glühwein trinken konnten.

Es ist ratsam, in Budapest zuerst eine Bank anzusteuern. Die Währung lautet HUF (sprich: Ungarische Forint). 10€ entsprechen circa 3.177 HUF (Stand 18.01.2019). Nach dem Bezahlen sollte dringend geprüft werden, ob korrekt herausgegeben wurde.

Norman und ich zeigten Mama und Kurt unser Budapest. Wir passierten ein nobles Viertel und wollten in eine Ruin-Bar. Auf Grund der Feiertage hatten diese leider geschlossen. In Budapest ist ein Besuch einer Ruin-Bar ein Muss.

Die Bars charakterisieren sich dadurch, dass sie in verlassene Häuser gebaut wurden. Shabby-chic würde man sie in Deutschland nennen. Jeder Raum ist anders eingerichtet.

Unsere Lieblingsbar heißt Instant (Adresse: Akácfa u. 51). Im Instand befinden sich ca. 6 Bars, individualistische Dekoration und zwei Tanzflächen. Da das Instant die letzten Jahre einen wahren Hype erlebte, bilden sich regelmäßig lange Schlangen vor dem Eingang. Vor der Tür des Instants wird den Gästen geraten, sich leise zu verhalten. Zu unserem Unglück hatte natürlich auch das Instant geschlossen.

So beschlossen Norman und ich, in einem Restaurant namens Molotov etwas zu Essen. Im Molotov wirst Du zu einem Tisch begleitet und wartest dann erst einmal einige Minuten auf Karte und Bedienung. Ein Prosecco Aperol kostet knapp 6€, was wahrlich kein Schnäppchen ist. Das Essen ist zu empfehlen und ebenfalls eher im westeuropäischen Preissegment angesiedelt.

Als wir zum Schiff zurückkamen, war das Abendessen längt passe.


26. Dezember

Vom 2. Weihnachtsfeiertag gibt es nicht viel zu berichten, da dies ein Flusstag war. Wir befanden uns also den ganzen Tag auf der Donau, ohne Halt.

Soweit ich mich erinnern kann, ließen Norman und ich das Frühstück ausfallen und gingen direkt zum Lunch über. Ich vertilgte mal wieder den kompletten Brotkorb und schmierte mir massig von kleinen leckeren Butterbaguetteschnittchen.

Den Tag verbrachten wir mit lesen, entspannen, Film und aus dem Fenster schauen, Gesprächen und im Musiksalon sitzen. Uns interessierten weder die Ausschiffungsinformationen um 17.00 Uhr, noch der gemeine Fragebogen, welchen die Crew uns auszufüllen gab. Die Gewinner dieses Spiels erhielten Kleinigkeiten aus dem Boardshop und diverse Getränke. Eine schöne Geste.


27. Dezember

Unser kräftezehrender Ganztags-Budapester-Stadt-Spaziergang lag zwei Tage zurück – wir waren also wieder startklar.

Gegen 08.00 Uhr erreichte die Prinzessin den historischen Ort Dürnstein in Österreich. Laut Wikipedia zählt Dürnstein, im Bezirk Krems-Land in Niederösterreich, 864 Einwohner und besitzt tatsächlich Stadtrechte. Da Dürnstein so architektonisch wertvoll ist, soll der Ort eines der touristischsten Ziele des Landes sein.


Dürnstein - Bilderbuchösterreich

Mich interessierten am meisten die Cafés. Die Dürnsteiner scheinen zu viel Geld zu haben, zumindest die Eigentümer der Cafés, denn außer Souvenir- und Feinkostländen hatten alle anderen Geschäfte geschlossen.

Immerhin konnte ich so meiner lieben Oma Erika ein Glas feinster Marillenmarmelade kaufen. Eine Bekannte Delikatesse Dürnsteins. Diese sei von ihrer Mutter hergestellt, so die Besitzerin des kleinen Lädchens.

Wir flanierten in dem kleinen Dörfchen umher und bewunderten u.a. Häuser und Kloster. Als Absacker tranken wir noch einen Cappucino, und zwar in dem einzigen ortsansässigen Supermarkt, wo wirklich alles Nötige zu regulären Preisen erwerbbar ist. Sogar Marillenmarmelade.

Dürnstein ist definitiv einen Ausflug wert. Im Sommer soll der Ort voller Leben sein. Der Abend verlief wie bewährt. Dinieren, entspannen, schlafen.


28. Dezember

Ich war traurig. Es hieß Abschied nehmen. Die Crew der Isabella wollte uns Abschied scheinbar einfach machen. Auschecken sollten wir bereits in aller Frühe – spätestens bis 10.00 Uhr.

Norman und ich hinterließen unsere Handgepäckkoffer galant in der Suite, die großen hatten wir bereits mit Schild vor der Türe platzieren müssen, das Personal sollte diese zum Globus-Fahrzeug bringen.

Wir gingen entspannt frühstücken. Anschließend konnten wir es nicht vermeiden. Auch wir hatten unser restliches Gepäck im Eingang unterzustellen. Ich dekorierte sodann zwei Stühle im Musiksalon mit Rücksäcken und Jacken.

Norman hielt dieses Tohuwabohu nicht aus. Nachdem auch mich mehrere Menschen derartig nervten, gab ich einen Stuhl frei. Da ich nun keinen Platz mehr zum Sitzen hatte, verkrümelte ich mich ebenfalls auf das Deck.

Mama und Kurt waren mal hier, mal dort. So gegen 12.00 Uhr erreichten wir mit Verspätung Passau. Unser Abholdienst wartete bereits.

Die gesamte Abreise war entspannender als die Anreise, ich habe fast die komplette Fahrt verschlafen. Zwischenzeitlich hielten wir auf einem Rasthof, welcher den Namen nicht verdiente. Die Portionen waren riesig und die Bedienung super freundlich. Es war ein sehr schöner Urlaub. Trotz meiner 29 Jahre würde ich jederzeit wieder eine Donaukreuzfahrt auf der Isabella buchen.







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 Jennifer Wütscher
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